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Warum Phrasal Verbs so hartnäckig nicht hängen bleiben

Verb plus Partikel ergibt eine Bedeutung, die man den Teilen nicht ansieht, dieselbe Form trägt ein Dutzend Bedeutungen, und die Wortstellung folgt einer Regel, die keiner erklärt. Warum eine Liste hier so wenig hilft.

Man kann Englisch jahrelang lernen, einen ordentlichen Wortschatz aufbauen, Nebensätze bauen können — und trotzdem bei get by, put up with oder come across ratlos sein. Das ist kein Zeichen von Nachlässigkeit. Phrasal Verbs sind objektiv die widerspenstigste Ecke des englischen Wortschatzes, und zwar aus vier Gründen gleichzeitig.

Die Bedeutung steckt nicht in den Teilen

Ein Phrasal Verb ist ein Verb plus eine kleine Partikel: up, off, out, on, over, through. Beide Teile kennst du. Das Ergebnis kannst du trotzdem nicht ableiten.

give up heißt nicht geben plus oben, sondern aufgeben. put off heißt verschieben. come across heißt zufällig auf etwas stoßen. Fachlich nennt man das nicht kompositionell: Die Bedeutung des Ganzen lässt sich aus den Bedeutungen der Teile nicht berechnen. Und weil dein Gehirn beim Lesen genau das versucht — Teile zusammenrechnen — geht es hier systematisch in die Irre.

Das Tückische daran: Manche Phrasal Verbs sind durchsichtig. sit down, stand up, come in bedeuten genau, was sie sagen. Es gibt also keinen zuverlässigen Warnhinweis. Du siehst der Kombination nicht an, ob du sie wörtlich nehmen darfst oder nicht.

Im Deutschen gibt es dasselbe Phänomen, was den Vergleich hilfreich macht. aufgeben, ausmachen, durchgehen, anziehen — auch da rechnet man die Bedeutung nicht aus den Teilen zusammen. Der Unterschied ist nur, dass du bei deiner Muttersprache nie auf die Idee gekommen bist, es zu versuchen.

Eine Form, viele Bedeutungen

Der zweite Grund ist der eigentliche Härtefall. Dieselbe Kombination trägt oft mehrere, völlig unverbundene Bedeutungen, und welche gemeint ist, entscheidet allein der Kontext. Nimm get:

Auf einer Karteikarte steht davon eine Zeile. In einem echten Text steht irgendeine der anderen. Genau das ist der Moment, in dem der Lernaufwand sich als nutzlos erweist: Du kennst das Phrasal Verb — nur eben in der falschen Bedeutung.

Trennbar und untrennbar

Der dritte Grund ist grammatisch und wird selten sauber erklärt. Manche Phrasal Verbs lassen sich trennen, andere nicht, und man sieht es ihnen nicht an.

Bei den trennbaren darf das Objekt zwischen Verb und Partikel oder dahinter stehen: turn off the light und turn the light off sind beide richtig. Ist das Objekt aber ein Pronomen, muss es in die Mitte: turn it off ist richtig, turn off it nicht. Diese Regel wird von Lernenden fast immer verletzt, und zwar besonders von denen, die die Wendung als Block auswendig gelernt haben.

Bei den untrennbaren bleibt die Einheit zusammen: look after the children und look after them, aber niemals look the children after. Woran man erkennt, welcher Typ vorliegt? An nichts Sichtbarem. Man muss es gesehen haben — und das heißt, man muss es im Satz gesehen haben, nicht auf einer Liste, wo die Wortstellung gar nicht vorkommt.

Die Registerfrage

Der vierte Grund ist stilistisch. Zu vielen Phrasal Verbs gibt es ein lateinisch- oder französischstämmiges Einzelwort mit ungefähr derselben Bedeutung: put off und postpone, find out und discover, give up und abandon, put up with und tolerate, look into und investigate.

Dabei ist fast immer das Phrasal Verb die alltägliche, gesprochene Variante und das Einzelwort die formelle, geschriebene. Das ist die Umkehrung dessen, was viele Lernende erwarten: Weil das Einzelwort schwerer aussieht, halten sie es für besser. In einer E-Mail an Kolleginnen wirkt es dann steif, und im Gespräch klingt es beinahe unhöflich distanziert.

Umgekehrt gilt genauso: In einer förmlichen Bewerbung oder einem akademischen Text sind zu viele Phrasal Verbs unpassend salopp. Das ist der Grund, warum du beide Seiten brauchst — nicht als Synonyme, sondern als zwei Stilebenen, zwischen denen du wählst.

Warum eine Liste mit zweihundert Phrasal Verbs so wenig bringt

Führ dir vor Augen, was so eine Liste liefert und was sie weglässt. Sie liefert: eine Kombination, eine Bedeutung, oft eine Übersetzung. Sie lässt weg: welche der Bedeutungen gemeint ist, wie das Objekt gestellt wird, ob es trennbar ist, wie formell es klingt, mit welchen Nachbarwörtern es normalerweise auftritt.

Das ist bei einem gewöhnlichen Substantiv verschmerzbar. Bei Phrasal Verbs ist es genau der Teil, an dem es hängt. Deshalb ist das Gefühl, zweihundert Phrasal Verbs gelernt zu haben und sie trotzdem nicht zu erkennen, kein Widerspruch, sondern die vorhersagbare Folge.

Was stattdessen funktioniert, ist unspektakulär: sie im Satz treffen, mehrfach, in verschiedenen Bedeutungen. Erst ein zweites Vorkommen von get through in einem anderen Zusammenhang macht dir klar, dass die Wendung mehr als eine Lesart hat — und diese Erkenntnis ist mehr wert als zehn Zeilen auf einer Liste. In Lexi gibt es dafür eine eigene Wortliste, Phrasal Verbs & Set Expressions, deren Sätze genau daraus gebaut sind; und weil in jedem Satz nur ein Element neu ist, kannst du dich auf das eine konzentrieren, um das es geht.

Ein Vorgehen, das trägt

  1. Lern sie nach Partikel, nicht alphabetisch. Alle Wendungen mit up nebeneinander machen sichtbar, dass up oft mit Vollständigkeit zu tun hat: eat up, use up, fill up. Das ist kein Gesetz, aber ein brauchbarer Faden.
  2. Lern sie immer mit einem Objekt. put off ist eine Vokabel, put off the meeting ist eine Erinnerung, die auch die Wortstellung mitliefert.
  3. Notier gleich die Pronomenform. Wenn du turn it off einmal geschrieben hast, hast du die Trennbarkeit mitgelernt, ohne die Regel zu kennen.
  4. Nimm die formelle Entsprechung dazu. Ein Paar wie find out und discover speichert die Bedeutung und die Stilebene in einem Zug.
  5. Erwarte mehrere Bedeutungen. Wenn du eine Wendung schon kennst und sie in einem Satz trotzdem keinen Sinn ergibt, ist das fast immer eine zweite Bedeutung und nicht dein Fehler.

Und ganz zum Schluss: Phrasal Verbs sind vor allem beim Verstehen wichtig, weniger beim Produzieren. Du wirst sie in jedem gesprochenen Satz hören, aber du musst sie nicht alle selbst benutzen. Wer eine Wendung nicht sicher beherrscht, nimmt einfach das formellere Einzelwort und klingt eine Spur steif. Das ist ein sehr viel kleineres Problem als der umgekehrte Fall, in dem man den Satz des Gegenübers nicht versteht.

Häufige Fragen

Was ist ein Phrasal Verb?

Eine Verbindung aus einem Verb und einer kleinen Partikel wie up, off, out oder through, deren Bedeutung sich aus den Teilen nicht ableiten lässt. give up heißt aufgeben, nicht geben plus oben. Im Deutschen gibt es dieselbe Erscheinung bei trennbaren Verben wie aufgeben oder ausmachen, weshalb das Prinzip vertraut ist, auch wenn die einzelnen Kombinationen es nicht sind.

Wie viele Phrasal Verbs muss ich lernen?

Deutlich weniger, als die üblichen Listen suggerieren. Ein paar Dutzend häufige Wendungen decken einen großen Teil dessen ab, was dir in Alltagsenglisch begegnet, und sie kommen so oft vor, dass du sie ohnehin regelmäßig triffst. Wichtiger als die Anzahl ist, dass du bei den häufigen mehrere Bedeutungen kennst, statt bei vielen jeweils nur eine.

Woran erkenne ich, ob ein Phrasal Verb trennbar ist?

An der Kombination selbst leider gar nicht — das muss man gesehen haben. Es gibt aber einen zuverlässigen Test: Setz ein Pronomen ein. Wenn turn it off richtig klingt, ist die Wendung trennbar. Wenn nur look after them geht und look them after falsch ist, ist sie untrennbar. Deshalb lohnt es sich, jede neue Wendung einmal mit Pronomen zu notieren.

Sind Phrasal Verbs umgangssprachlich?

Meistens ja, jedenfalls im Vergleich zu ihren lateinischstämmigen Entsprechungen. put off ist alltäglich, postpone ist formell; find out ist alltäglich, discover ist gehoben. Für gesprochenes Englisch und normale E-Mails sind Phrasal Verbs die natürliche Wahl. In akademischen Texten und förmlichen Schreiben greift man eher zum Einzelwort.

Warum verstehe ich Phrasal Verbs im Text nicht, obwohl ich sie gelernt habe?

Weil du wahrscheinlich eine Bedeutung gelernt hast und im Text eine andere steht. Häufige Kombinationen wie get through oder get on tragen mehrere völlig unverbundene Bedeutungen, und eine Liste zeigt üblicherweise nur die erste. Wenn eine dir bekannte Wendung im Satz keinen Sinn ergibt, ist das fast immer der Hinweis auf eine zweite Lesart, nicht auf einen Fehler bei dir.

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