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Prüfungswortlisten einsetzen, ohne einen Monat zu verlieren

Wie solche Listen zustande kommen, wofür sie taugen und wofür nicht, wie man sie gegen einen echten Termin einteilt, und warum der Vorsatz, die ganze Liste zu lernen, so verlässlich scheitert.

Wer sich auf IELTS, TOEFL oder GRE vorbereitet, landet innerhalb weniger Tage bei einer Wortliste. Meistens bei mehreren, die sich widersprechen. Der Reiz ist offensichtlich: Eine Liste sieht aus wie ein abschließbarer Vorrat in einer Vorbereitung, die sonst konturlos ist.

Genau dieses Versprechen ist es aber, das die meisten Listen nicht halten können. Es lohnt sich zu wissen, wie sie entstehen.

Woher solche Listen kommen

Prüfungswortlisten werden im Wesentlichen auf zwei Arten gebaut. Die eine ist frequenzbasiert: Man nimmt eine große Sammlung von Texten, oft akademischer Prosa, zählt aus, welche Wörter besonders häufig vorkommen, zieht die allgemeinsten Grundwörter ab und behält den Rest. Die andere ist prüfungsbasiert: Man wertet vergangene Aufgaben und Übungsmaterialien aus und sammelt, was tatsächlich aufgetaucht ist.

Beides ist legitim, und beides hat dieselbe Konsequenz: Eine Liste ist eine Wahrscheinlichkeitsaussage, kein Lehrplan. Sie sagt, diese Wörter tauchen in dieser Art von Text überdurchschnittlich oft auf. Sie sagt nicht, dass sie in deiner Prüfung vorkommen, und schon gar nicht, dass sie in der aufgeführten Bedeutung vorkommen.

Dazu kommt, dass kursierende Listen sehr unterschiedliche Qualität haben. Manche stammen von Prüfungsanbietern oder aus der Korpuslinguistik, viele sind irgendwann von irgendwem zusammengestellt und seither kopiert worden. Wenn du dich für eine entscheidest, nimm eine mit erkennbarer Herkunft — und dann bleib bei ihr, statt drei parallel zu führen.

Was welche Liste eigentlich ist

Die Prüfungen, um die es hier geht, messen sehr verschiedene Dinge, und ihre Listen entsprechend auch.

In Lexi sind diese Listen als Wortlisten hinterlegt: Everyday, Phrasal Verbs & Set Expressions, Gaokao, CET-4, CET-6, Postgraduate, IELTS, TOEFL, GRE und Business. Du wählst eine aus, und die Sätze, die dir gezeigt werden, stammen daraus. Alle zehn sind in der kostenlosen Nutzung enthalten, sodass es keinen Grund gibt, auf der falschen zu bleiben.

Warum „die ganze Liste lernen“ scheitert

Der Vorsatz, eine Liste vollständig durchzuarbeiten, geht aus mehreren Gründen gleichzeitig schief. Erstens ist die Menge unrealistisch: Wer eine große Liste durch die Tage bis zur Prüfung teilt, bekommt eine Tagesration heraus, die er am ersten Tag schafft, am dritten nicht mehr und am fünften aufgibt.

Zweitens gibt es keine Wiederholung im Plan. Eine Liste einmal durchzugehen ist fast wertlos; die Arbeit steckt in den zweiten und dritten Durchgängen. Wer die Zeit vollständig für den ersten Durchgang verplant, hat für die eigentliche Arbeit nichts mehr übrig.

Drittens ist ein erheblicher Teil jeder Liste für dich bereits bekannt oder für deinen Bedarf irrelevant. Diesen Teil mitzuschleppen, kostet die Zeit, die den wirklich unbekannten Wörtern fehlt.

Eine Liste gegen einen echten Termin einteilen

Der Ablauf, der bei einem festen Prüfungsdatum funktioniert, sieht ungefähr so aus:

  1. Sortier zuerst aus. Geh die Liste einmal schnell durch und markiere nur, was du wirklich nicht kennst. Dieser Durchgang ist kein Lernen, er ist Inventur, und er halbiert die Menge oft.
  2. Rechne rückwärts vom Termin, nicht vorwärts vom heutigen Tag. Zieh die letzten zwei Wochen ab: Die sind für Wiederholung und Prüfungssimulation reserviert, nicht für neue Wörter.
  3. Teile den Rest so ein, dass jedes Wort mindestens dreimal vorkommt. Lieber ein Drittel der Liste dreimal als die ganze Liste einmal.
  4. Arbeite in kleinen Gruppen und immer mit einem Satz. Ein Wort mit einem Beispielsatz ist mehr wert als drei Wörter mit einer Übersetzung.
  5. Prüfe dich in die andere Richtung. Deutsch nach Englisch ist unbequem und deckt genau die Wörter auf, die du nur wiedererkennst.
  6. Halte die aussortierten Wörter fest. Was beim dritten Durchgang immer noch nicht sitzt, ist deine echte Restliste — und die ist kurz genug, um sie in der letzten Woche wirklich zu bearbeiten.

Wiedererkennen ist nicht dasselbe wie benutzen

Der wichtigste strategische Unterschied betrifft die Frage, wofür du ein Wort brauchst. Zum Lesen und Hören reicht Wiedererkennungswissen: Du musst das Wort verstehen, wenn es dir vorgelegt wird. Zum Schreiben und Sprechen brauchst du Produktionswissen: Du musst es aus dem Nichts abrufen, richtig beugen, richtig konstruieren und mit den passenden Nachbarwörtern verbinden.

Produktionswissen ist erheblich teurer. Deshalb ist es unsinnig, jedes Wort einer Prüfungsliste auf dieses Niveau bringen zu wollen. Sinnvoll ist eine Teilung: Der größte Teil der Liste braucht nur Wiedererkennung, weil er im Lese- und Hörteil auftaucht. Für den Schreib- und Sprechteil brauchst du dagegen eine kleine, sorgfältig ausgewählte Menge, die du wirklich benutzen kannst — je nach Prüfung ein paar Dutzend Ausdrücke, die zu den typischen Themen passen.

Diese Unterscheidung erklärt auch ein verbreitetes Ärgernis: Leute mit riesigem passivem Wortschatz schreiben in der Prüfung erstaunlich einfache Aufsätze. Nicht weil sie die Wörter nicht kennen, sondern weil kennen und abrufen können zwei verschiedene Zustände sind und nur einer davon geübt wurde.

Die letzten zwei Wochen

In den letzten vierzehn Tagen vor dem Termin ändert sich, was sinnvoll ist. Neue Wörter aufzunehmen, bringt fast nichts mehr: Was du jetzt zum ersten Mal siehst, ist am Prüfungstag mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht abrufbar, und der Versuch kostet Aufmerksamkeit, die anderswo mehr wert wäre.

Was jetzt zählt: die Restliste der Wörter, die trotz mehrerer Durchgänge nicht sitzen, und dann echte Aufgaben unter echten Bedingungen. Für den Schreibteil legst du dir eine überschaubare Menge an Ausdrücken zurecht, die zu den wiederkehrenden Themen passen, und benutzt sie in Probetexten so oft, bis sie ohne Nachdenken kommen. Für den Sprechteil dasselbe, laut.

Und ein letzter, unpopulärer Punkt: Wenn dir zwei Wochen vor dem Termin noch der halbe Grundwortschatz fehlt, ist das kein Wortschatzproblem mehr, sondern eine Terminfrage. Eine Prüfung zu verschieben ist billiger als sie zu wiederholen.

Häufige Fragen

Muss ich die komplette IELTS-Wortliste lernen?

Nein, und der Versuch geht in aller Regel schief. Sortier zuerst aus, was du bereits kennst — das ist oft ein erheblicher Teil — und arbeite dann mit dem Rest so, dass jedes Wort mehrmals vorkommt. Ein Drittel der Liste, dreimal gesehen und in Sätzen benutzt, ist am Prüfungstag deutlich mehr wert als die vollständige Liste, die du genau einmal durchgeblättert hast.

Was ist der Unterschied zwischen IELTS-, TOEFL- und GRE-Wortlisten?

IELTS und TOEFL sind Sprachprüfungen; ihr Wortschatz ist akademisch, aber alltagsnah und weitgehend überschneidend. GRE ist eine Zulassungsprüfung für US-Graduiertenprogramme, die überwiegend Muttersprachler ablegen — ihre Listen enthalten deutlich seltenere, formellere Wörter. Wer für IELTS mit einer GRE-Liste lernt, arbeitet an Wörtern, die in seiner Prüfung kaum vorkommen.

Was sind CET-4, CET-6 und Gaokao?

Das sind chinesische Prüfungen. Gaokao ist die zentrale Hochschulaufnahmeprüfung, CET-4 und CET-6 sind die beiden Stufen des College English Test für Studierende an chinesischen Hochschulen, und die Masterzugangsprüfung ist die landesweite Aufnahmeprüfung für das Masterstudium. Ihre Wortlisten sind amtlich festgelegt und deshalb ungewöhnlich klar abgegrenzt, aber sie sind auf das chinesische Bildungssystem zugeschnitten.

Wie viele Wörter am Tag soll ich aus einer Prüfungsliste lernen?

Weniger, als die Rechnung Listenlänge geteilt durch Resttage ergibt. Diese Rechnung plant nur den ersten Durchgang ein, und der ist der unwichtigste. Rechne mit einer Menge, die du auch am zehnten Tag noch schaffst, und plane dieselben Wörter mehrfach ein. Eine kleinere Tagesportion, die durchgehalten wird, schlägt eine große, die nach einer Woche zusammenbricht.

Was soll ich in den letzten zwei Wochen vor der Prüfung machen?

Keine neuen Wörter mehr aufnehmen. Konzentrier dich auf die Wörter, die trotz mehrerer Durchgänge nicht sitzen, und auf komplette Prüfungsaufgaben unter Zeitbedingungen. Für den Schreib- und Sprechteil legst du dir eine kleine Menge an Ausdrücken zurecht, die zu den üblichen Themen passen, und benutzt sie so oft in Probetexten, bis sie ohne Nachdenken kommen.

Probier die Methode zehn Minuten

Lexi reicht dir einen kurzen englischen Satz nach dem anderen, in dem genau ein Wort neu ist: antippen für Lautschrift und Bedeutung, noch einmal antippen für die Übersetzung, beides auf Wunsch vorgelesen. Die Bibliothek liegt im Telefon, also läuft es ohne Empfang, und ein Konto gibt es nicht. Dreißig Sätze am Tag, jede Wortliste und jede Wörterbuchsprache sind kostenlos.

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